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Veganer/Vegetarier beim Arbeitsamt Vegidan --- 17.10.2009-09:48
Könnt ihr euch vorstellen eure Arbeit zu verlieren und dadurch auf das Geld der Agentur für Arbeit angewiesen zu sein?

Stellt euch vor ihr habt einen Beruf erlernt und müsst in der von der Agentur angebotenen
Arbeitsstelle arbeiten, auch wenn es deiner Lebenseinstellung nicht mehr entspricht, da anderenfalls die Leistungen vorerst schlicht gestrichen werden. Man müsste Widerspruch einlegen, doch das dauert bis zu 3 Monaten. Wenn du auf das Geld aber trotzdem angewiesen bist, musst du dich erstmal an die ARGE wenden.

Dort sind die Regeln für die Aufnahme von Arbeit, laut dem SGB II nicht besser.


Wer die angebotenen Arbeit nicht annimmt, der wird sofort mit Sanktionen bestraft.
Diese gehen dann sogar soweit, dass nichteinmal für die minimale Mietunterkunft aufgekommen wird und du im Grunde genommen einfach auf die Strasse geschickt wirst. Bei Widerspruch wird auf das SGB II verwiesen und bis die erforderlichen Wiedersprüche durch sind könntest du schon
alles verloren haben. Dagegen sind hauptsächlich nur Eltern mit Kindern geschützt.

Dabei kann es doch für jeden Menschen eigene spezielle Abneigungen geben, Arbeiten die
man aus eigener Überzeugung und Erfahrungen nicht machen möchte.
Bei der ARGE ist aber Grundsätzlich alles zumutbar und nur Krankheiten, die ärztlich belegt sind,
können Einschränkungen zu Folge haben.

Nun stehen wir vor der Frage: Ist Vegetarismus in dieser Gesellschaft eine Krankheit oder gar eine Spinnerei oder wirklich Zukunftsmusik?

Wenn man den Vegetarismus als Argument gegen eine Arbeit z.B. im Zoo angibt, wird dir erstmal einen Vogel gezeigt und wird dich vorher in eine Psychiatrische Anstalt vermitteln.

Ist ein Fleischer der aus irgendwelchen Gründen zum Veganer übergegangen ist
verpflichtet durch das Arbeitsamt wieder als Fleischer arbeiten zu müssen?

Habt ihr schon Erfahrungen mit ähnlichen Fällen gehabt?



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RE: Veganer/Vegetarier beim Arbeitsamt Bryah --- 18.10.2009-11:37
Hallo Vegidan,

dein Beispiel mit dem Fleischer, ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand Ungelerntes in einer Fleischerei arbeiten sollte - eher in einer Fleischfabrik. Dafür muss man grundlegende Kenntnisse haben, oder nicht?

Das andere Beispiel mit dem Zoo - das finde ich jetzt nicht soo schlimm - ich könnte es nicht machen, weil ich eine Tierhaarallergie habe, von daher käme es für mich nicht in Frage. Die Tiere an sich können nichts dafür, dass sie dort gefangen gehalten werden. Die Zeit dort könnte man nutzen, um den Tieren zu helfen und sie zu pflegen. Eine Erfahrung ist es auf jeden Fall mal wert, wenn man von der Idee des Zoos erstmal abstrahiert.

Aber beim Fleischer zu arbeiten, das kann dir niemand zumuten. Da würde ich zum Arzt gehen, und mir ein Attest holen, Fleischallergie etc. - gibt es wirklich! In einem solchen Fall ist man gegen bestimmte tierische Eiweiße allergisch. Kann sich auch in einer Kontaktallergie äußern soweit ich weiß.

Wie kommst du auf ein solches Thema? Und wenn die einem so was zumuten, da würde ich gleich zum Rundfunk gehen. Stern TV oder Spiegel TV, sicher greifen solche Sendungen ein solches Thema dankbar auf - kann schön skandalträchtig aufbereitet werden. Oder Monitor/Panorama/etc. Das greift ja schließlich die Menschenwürde an und die ist doch bekanntlich im GG geschützt.

Also keine Panik. Im Notfall einen Anwalt einschalten. Die Kosten muss dann sicher die ARGE tragen. :)

Grüßerle
Bryah

PS: Vegetarismus Krankheit oder Einstellung - das ist ja wohl klar. Vegetarismus ist eine Lebenshaltung, keine Krankheit. Freie Persönlichkeitsentfaltung wird dir im GG gewährt, solange es keinen anderen negativ beeinträchtigt (Persönlichkeitsrechte).



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RE: RE: Veganer/Vegetarier beim Arbeitsamt Rike --- 18.10.2009-13:10
Ach, Bryah, wenn es so einfach wäre, dass die ARGE dann den Anwalt bezahlen müsste.
In Baden-Württemberg bekommen betroffene SGB II-Bezieher derzeit nur unter größten Schwierigkeiten einen Beratungshilfeschein, mit dem sie zum Anwalt gehen können. Argument:
Die ARGE ist eine Behörde und muss auch Leistungsempfänger beraten. Nun ist es natürlich sehr wahrscheinlich, dass sie objektiv über ihre Fehlentscheidungen informieren wird...

@Vegidan: ich denke, die Frage Vegetarismus/Veganismus stellt sich doch vielmehr beim Vorstellungsgespräch bei einem potentiellen Arbeitgeber, oder? Weiteres eher per PN



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RE: RE: Veganer/Vegetarier beim Arbeitsamt Frieda --- 18.10.2009-13:11
@Bryah: Wieso ungelernt? Und was ist mit einem ausgebildeten Fleischer, der eine Weiterentwicklung erfahren hat und kein Fleischer mehr sein kann/will?
Zum Arzt gehen und ein Attest über eine Allergie holen ....... Und wenn keine Allergie festgestellt wird?

@Vegidan: Der Vegetarismus/Veganismus wird in unserer Gesellschaft als Spinnerei angesehen. Ob wir eine Veränderung in Richtung Zukunftsmusik noch erleben werden - falls sie denn tatsächlich eintreten sollte -, wage ich zu bezweifeln.

Vor vielen Jahren war ich mal arbeitslos und als ich beim Arbeitsamt gefragt wurde, was ich denn machen möchte, sagte ich "... gerne etwas mit Tieren." Ich dachte an einen Job im Tierheim, auf einem Gnadenhof, in einer Tierpension, beim Tierarzt, -physiotherapeuten oder sowas in der Art.
Mein Sachbearbeiter befragte seinen PC, tippte ein paar Minuten lang hin und her und strahlte mich plötzlich an: "Da haben wir etwas für Sie! Gar nicht sehr weit von hier wird eine Mitarbeiterin in einer Schweinemastanlage gesucht!"
Na super! Vielen Dank!

Kann dir leider nicht weiterhelfen, Vegidan. Viel Glück!



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Veganer/Vegetarier beim Arbeitsamt Vegidan --- 19.10.2009-09:56
Die ärzte bescheinigen dir sogut wie nichts. Wo würden wir da auch hinkommen?
Ich weiß auch nicht, wie das mit der ärztekammer genau geregelt ist.
Die einzigste möglichkeit ist einen „antrag auf leistungen zur teilhabe für versicherte – rehabilitationsantrag“ an die Deutsche Rentenversicherung zu schicken.
Das lustige ist, ohne ärztliche bescheinigung braucht man da auch nicht antanzen.
Denn auch dort unterliegt man strengen kriterien für eine eventuelle umschulung.
So machen jetzt auch noch die ärzte ihr geschäft mit neuartigen krankheitsfällen.
Und mit einer fleischallergie Bryah kommst du da auch nicht weit.

Bryah, Ob das die situation verbessert, wenn man mit sowas zum rundfunk geht bezweifle ich. Mit der Arge gab es schon länger streitereien und einige fälle wurden sicherlich auch veröffentlicht. Die menschenwürde greift das meiner meinung nach auch an. Aber nicht nur das.
Doch die gesetze kann man geschickt umgehen.
Man braucht ja auch keine arbeit annehmen, man kann sich ja auch vorher das Leben nehmen.
Woher suizidgedanken kommen, das kann man sich ja denken. Viele kommen mit solch einer situation nicht mehr klar und kennen keinen ausweg mehr. Es gibt da echt menschen die bekommen durch sowas psychische probleme. Besonders wenn sie vorher schon probleme hatten. Und solche folgen fallen eher unter das GG der unversehrtheit oder gar menschenversuche. Doch das interessiert die wirtschaft wenig.
Es ist einfach unter aller SAU, was da GETRIEBEN wird, im wahrsten sinne des wortes.

Rike, wenn du damit sagen möchtest, dass ich dem arbeitgeber solche fällen, einfach sagen müsste, dass ich vegetarismus/veganismus betreibe und die tätigkeit daher nicht annehmen möchte und dann alles gegessen währe, so siehst du das falsch. Denn der arbeitgeber schickt die informationen an die Arge weiter und deren regeln kennt ihr ja.

Hier die geschichte und das "pro und kontra" des Hartz-Konzept (Hartz IV)

Wenn ich dort dann die namen Peter Hartz (der schwarze Peter :)) und Gerhard Schröder höre, die beide mitglied der SPD sind, so wundert es mich nicht, dass die SPD bei den wahlen so schlecht abgeschnitten hat.

Ich sehe schon, wie die beamten in der Arge auf die grünen rettungsschilder gucken, wenn gerade mal ein amokläufer das gebäude stürmt, der sich vor zorn nicht mehr halten kann.

Dabei kommt mir doch gleich die GRÜNEN JUGEND in den sinn. Wie beruhigend ;)

Zitat:

- Wir wollen den Menschen ein freies und selbst bestimmtes Leben ermöglichen. Dazu gehört nach Auffassung der GRÜNEN JUGEND, dass die Menschen ohne Ängste und Zwänge miteinander in einer Gemeinschaft zusammenleben können. Deswegen lehnen wir einen Arbeitszwang ab und fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen
- Durch das bedingungslose Grundeinkommen hat jede Person wieder das Recht auf eine freie Arbeitswahl.


Weitere ideen des bedingungsloses grundeinkommen:
(Den link müsst ihr euch kopieren)
%C3%BCrgergeld#Bedingungsloses_Grundeinkommen

Hier werden interessante einzelfälle (Arge) diskutiert:

Ihr wisst ja, wie ich zum thema drogen (alkohol und zigaretten) stehe. Hier das thread:

Jetzt stellt euch vor, ich müsste an einer tankstelle, zigaretten, alkohol und dazu noch das treckige öl und benzin, also lauter so schwarzes zeugs verkaufen. Ich hätte da wirklich ein sehr schlechtes gefühl dabei, euch soetwas unterzujubeln. Ich könnte mir schwarze trauertracht anziehen und anfangen zu beten.
Doch der arzt wird mir dagegen mit sicherheit nichts ausstellen.



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RE: Veganer/Vegetarier beim Arbeitsamt Rike --- 19.10.2009-10:12
@ Vegidan: so war das auch nicht gemeint. Mehr werde ich dazu hier nicht posten.
Man muss doch auch unterscheiden zwischen der Kritik an der Hartz IV Gesetzgebung und dem Einzelschicksal.
Was hilft es demjenigen, der eine Sanktion kassiert und nicht mehr weiß, wovon er leben soll, wenn das Sozialgericht in 4 Jahren feststellt, dass die Sanktion rechtswidrig war? Oder irgendwann die Politik endlich diese unsägliche Gesetzgebung kippt.
In meinen Augen ist es primär, dass er keine Sanktion erhält und das kann man glücklicherweise wenigstens bedingt steuern.
Aber vielleicht denke ich hier zu praktisch - dahin ging ja nach meinem Verständnis auch die Eingangsfrage und nicht um die allgemeine Frage der Hartz IV Gesetzgebung und welche Partei sie wie unterstützt und welche nicht.



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Einfach mal abklaeren ... Bannion --- 02.11.2009-15:13
Tachchen,

es hilft mit der Fallberaterin [oder wie auch immer diese Opfer genannt werden], den Bereich einzugrenzen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dasz die Argumentation auf der ethischen Grundlage gewinnbringend ist.
Sollte es wider Erwarten nicht akzeptiert werden, muesste die Angelegenheit erstmal mit einer Arbeitslosenselbsthilfegruppe durchgequatscht werden.
Anders sieht es natuerlich mit Gesundheitsfleischverzichtern aus.

Ein Grundsatzurteil waere mal eine Masznahme, doch wie gesagt, ich wurde damals nicht gezwungen.


Grusz
B]



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Arge Vegidan --- 10.02.2010-14:57
Quelle:

Regelleistungen nach SGB II ("Hartz IV- Gesetz") nicht verfassungsgemäß
Bundesverfassungsgericht urteilte: Berechnungsgrundlage Hartz-IV nicht Verfassungskonform


Die verfassungswidrigen Normen bleiben bis zu einer Neuregelung, die der Gesetzgeber bis zum 31. Dezember 2010 zu treffen hat, weiterhin anwendbar. Zu einer rückwirkenden Entscheidung ist der Gesetzgeber lt. Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 GG nicht verpflichtet.

Das BVerfG führt weiter aus, dass es nicht feststellen konnte, dass der Eckregelsatz von 345€ evident (augenscheinlich) zur Sicherstellung eines menschenwürdigen Existenzminimums Erwachsener nicht ausreichend sei. Es konnte ebenfalls nicht feststellen, dass der Regelsatz von 207€ evident (augenscheinlich) zur Sicherstellung eines menschenwürdigen Existenzminimums für Kinder nicht ausreichend sei, insbesondere um den Ernährungsbedarf von Kindern im Alter von 7 bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres zu decken. Auch sieht es sie Absenkung des Regelsatzes bei Partnern als verfassungskonform an, da dort aufgrund des Zusammenlebens ein Minderbedarf vorliege. Es bedarf deshalb keiner sofortigen Erhöhung des Regelsatzes. Die bis zum 31 Dezember 2010 vorzunehmende Neuberechnung ist ausreichend.


Die klagestellungen, die in den vorherigen beiträgen angesprochen wurden, sind in diesem richterspruch jedoch nicht geklärt!!!
Wenn diese klagepunkte anerkannt würden, hätte das wahrscheinlich eine sofortige einstellung der Arge zu folge. Vielleicht aus sinnlosigkeit



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Arge Vegidan --- 20.06.2010-15:24
Angesichts der folgenden Tatsachen ist es doch schon fast achtungslos,
sich mehr um Tiere als um Menschen zu kümmern...



Man kann es sehr hart ausdrücken: Das Gesetz, das als Hartz-IV bekannt ist, trägt nicht nur den Namen eines rechtskräftig verurteilen Straftäters, sondern kann auch zum Tode führen. Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen, lautet die Quintessenz dieser von der Schröder-Regierung eingeführten sozialpolitischen Umbau-Maßnahme. In Speyer konnte Hartz-IV auf grausige Weise seine finale Logik beweisen: Ein 20jähriger Arbeitsloser wurde am Sonntag, 15. April, verhungert in der Wohnung seiner Mutter aufgefunden. Die 48-jährige Frau selbst wurde mit Mangelerscheinungen in eine Klinik eingeliefert. Der stark abgemagerte arbeitslose Sohn hatte offensichtlich seit Monaten keine ausreichende Nahrung zu sich genommen, als Todesursache wurde Herz-Kreislaufversagen festgestellt. Beiden war von der zuständigen "Gesellschaft für Arbeitsmarktintegration" (GfA) vor vier Monaten das Arbeitslosengeld II gestrichen worden. Die Mutter hatte angegeben, sie hätten nicht mehr genug Geld gehabt, um Lebensmittel zu kaufen.



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