Die Not der Charlys hat ein Ende Fernsehen: Das ZDF beugt sich der Kritik von Tierschützern
Sie läuft seit vielen Jahren im Programm des ZDF: die Familienserie „Unser Charly“. Seit 1995 sind zu einer guten Sendezeit am Samstagabend einige Staffeln des munteren Treibens von Charly, einem jungen Schimpansen, gezeigt worden. Seit dem Wochenende ist bekannt, dass die Serie eingestellt wird (die StZ berichtete). Die Grünen-Politiker Undine Kurth und Cem Özdemir dürften darüber besonders erfreut sein. Sie hatten im Herbst 2009 in einem Brief an den ZDF-Fernsehrat beklagt, dass „Charly“ keineswegs lustig sei, sondern ein völlig falsches, weil vermenschlichtes Bild von Schimpansen vermittele. Auch wiesen die tierschutzpolitische Sprecherin und der Parteichef darauf hin, dass Schimpansen nur bis zur Geschlechtsreife für Filmrollen dressiert werden können. Deshalb ist „Charly“ seit 1995 nie gealtert. Anders ausgedrückt: elf Jungtiere wurden seither für die Rolle eingesetzt.
Was danach mit ihnen geschah: Auf diese Frage weiß das ZDF keine Antwort. Somit bleibt auch offen, ob die Tiere wirklich in einem miserabel geführten Tierasyl in Texas landeten, wie Kritiker meinen. „Dass sich das ZDF offenbar nie um den Verbleib der Tiere gekümmert hat, ist erschreckend“, meint Kurth. Denn jeder Tierschützer wisse, welches Leid eine Dressur Menschenaffen wie Schimpansen, Gorillas oder Orang-Utans zufüge: „Sie werden ganz jung von ihren Müttern getrennt und entwickeln dann bis zur Pubertät eine enge Bindung an Menschen. Die wird zerstört, wenn das Tier geschlechtsreif wird und kein enger Draht zum Menschen mehr möglich ist, weil erwachsene Primaten so sind, wie Wildtiere nun einmal sind: unberechenbar und aggressiv.“
Für die „Charly“-Serie bleibt künftig Jungtieren das Schicksal von Dressur und Trennung erspart. Denn die 16. Staffel der Serie, die derzeit produziert wird, sei die letzte, wie der Chef des ZDF-Fernsehrats, Ruprecht Polenz, an Özdemir und Kurth schreibt. Noch besser, so Kurth, wäre es, wenn das ZDF über Schimpansen und andere bedrohte Tierarten in ihrer natürlichen Wildbahn berichtete und so zum Erhalt der globalen biologischen Vielfalt aufriefe: „Eben deshalb wäre es nur konsequent, wenn das ZDF und alle anderen Fernsehsender überhaupt keine Sendungen mit dressierten Wildtieren mehr machen würden.“