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Interviews

Tiere sind meine FREUNDE
und ich esse meine FREUNDE nicht!


12.02.2006


Foto: Nela König
Ein Interview mit Charlotte Karlinder
Charlotte Karlinder, bekannt als ehemalige Moderatorin des Frühstücksfernsehens auf Sat.1 lebt seit 12 Jahren vegetarisch. „Mir kam es von Anfang an unlogisch vor, dass man Tiere mag und mit ihnen zum Spass seine Zeit verbringt – sie dann aber wiederum abends tot auf’n Teller gelegt bekommt. Also hab ich beschlossen, dass das falsch sein muss und an meine Zimmertür ein weißes Blatt gehängt auf das ich geschrieben hab’: „Tiere sind meine FREUNDE und ich esse meine FREUNDE nicht!“
Hier erfahren Sie, wie sich Charlotte Karlinder für die Rechte von Tieren einsetzt, was sie von vitavegetare.de hält und welchen Tipp sie Neueinsteigern bei Konfrontationen mit Fleischessern gibt.



vitavegetare: Viele Menschen und vor allem Vegetarier kennen Sie als engagierte Tierschützerin. Wie kamen Sie zur vegetarischen Lebensweise, wann hat es bei Ihnen „klick“ gemacht?

Charlotte Karlinder: Tiere waren schon immer mein größtes „Interesse“. Wir haben auf dem Land gewohnt, hatten Hunde zu Hause, auf dem Weg zur Schule fuhr man an Kühen und Schweinen vorbei und mit 10 hab ich angefangen zu reiten, verbrachte meine Freizeit mit den unterschiedlichsten Tieren auf dem Reiterhof und hatte irgendwann auch ein eigenes Pferd.

Mir kam es von Anfang an unlogisch vor, dass man Tiere mag und mit ihnen zum Spass seine Zeit verbringt – sie dann aber wiederum abends tot auf’n Teller gelegt bekommt. Also hab ich beschlossen, dass das falsch sein muss und an meine Zimmertür ein weißes Blatt gehängt auf das ich geschrieben hab’: „Tiere sind meine FREUNDE und ich esse meine FREUNDE nicht!“ Pre-pubertärer Protest. Aber da meine Eltern nicht verschiedene Sachen kochen wollten und ich mich nicht von Beilagen ernähren durfte, musste ich, bis ich mit 18 ausgezogen bin, noch ein bisschen Fleisch essen... danach nicht wieder. Das ist jetzt 12 Jahre her.

vitavegetare: Wie reagierte Ihr Umfeld darauf?
(Familie, Arbeitskollegen, Freunde, ...)

Charlotte Karlinder: Meine Familie konnte es am Anfang gar nicht verstehen, weil Fleisch ja nun mal schon immer auf den Teller gehörte und sie das auch nie in Frage gestellt hatte. Meine Eltern sind beide in der Stadt aufgewachsen und da kennt man Tiere oft eben nur aus dem Kühlregal. Sie haben meine Entscheidung aber verstanden und es gab seitdem viele Diskussionen. Vegetarier sind sie trotzdem nicht geworden.

Meine Freunde sind zum Teil Vegetarier und Veganer, aber viele auch nicht – und auch hier gab es viele Diskussionen, aber die enden immer damit, dass ich sage: Na ja, muss ja jeder selbst wissen, weil man da eh unterschiedliche Ansichten hat. Die meisten, die Fleisch essen sagen: „Ja, aber es schmeckt so gut, da kann ich nicht drauf verzichten!“ Da kann ich nur sagen, dass, wenn man einmal die Bilder aus den Schlachthöfen gesehen hat, kann man darauf verzichten.

vitavegetare: Wie beurteilen Sie die Situation von Vegetariern in Deutschland? (Kantinen, Restaurants, vegetarische Produkte, ...)

Charlotte Karlinder: Am Anfang so vor 10 Jahren war das schwierig, da konnte man in Restaurants nur Beilagen essen und vereinzelt gibt’s unglaublicherweise immer noch Restaurants die nix Vegetarisches anbieten. Die Sachen in den Bioläden waren früher auch eher wenige und auch lieb- und geschmacklos hergestellt.

Aber inzwischen gibt es in den Großstädten sehr viele sehr gute Restaurants und Läden, in denen man Produkte bekommt, die sehr gut und manche davon sogar durch die Gewürze wie Fleisch schmecken. Fleisch schmeckt nämlich auch nur wie es schmeckt weil so viel Gewürze und andere Zutaten wie Zwiebeln etc. dran und drin sind. Ich hab einem Freund mal vegetarische Hackbällchen untergejubelt und er hat es nicht gemerkt

Ich kann mir aber vorstellen, dass die Situation auf dem Land leider noch sehr schwierig ist, weil die Nachfrage zu gering ist. Man findet ja sogar in München schon viel weniger Restaurants dieser Art, weil sie fleisch-orientiert sind.

vitavegetare: Ihre Aktion »Wir alle haben die gleichen Teile!« war sehr beeindruckend. Ein Bodypaint auf Ihrem Rücken mit »Fleisch-Einteilung«. Wie kamen Sie auf diese Idee und wie war die Resonanz speziell von Fleischessern?

Charlotte Karlinder: Diese Kampagne hatte PETA schon in Amerika mit Pamela Anderson und in England mit Tracy Bingham realisiert und ich habe die deutsche Kampagne „bestückt“. Als ich das Motiv mit Tracy gesehen habe und die Anfrage dazu bekam, das für Deutschland umzusetzen habe ich sofort ja gesagt, weil ich finde, dass man daran so gut sieht, dass wir wirklich alle aus denselben Teilen bestehen, einem sozusagen ein bisschen die Augen geöffnet werden. Am liebsten hätte ich meinen Rücken sogar ohne Haut gezeigt, weil man das Fleisch und die Gleichheit dann noch besser erkannt hätte aber die PETA wusste aus Erfahrung, dass das für die Presse zu hart und abstoßend gewesen wäre. Auf keinen Fall wollte ich aber einfach ein Nacktfoto gegen Pelze wie es so viele machen (die diese dann oft auch noch trotzdem tragen), weil ich das nicht besonders originell finde.

vitavegetare: Wie beurteilen Sie die heutige Einstellung der Menschen zum Vegetarismus in Deutschland? Sind diese offen für die Botschaften von Tierschützern?

Charlotte Karlinder: Sie sind offener aber immer noch sehr festgefahren in der Meinung, dass Fleisch Bestandteil eines Gerichts sein muss und eben so gut schmeckt, dass man darauf nicht verzichten kann. Dadurch dass viele Prominente ihr Gesicht dafür hinhalten, haben viele begriffen, dass Tierschützer nicht nur eine kleine Randgruppe bekloppter Terroristen sind, sondern Menschen, die nachdenken und sich um ihre „Mitmenschen/Tiere“ kümmern. Das ist gut. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg, bis Tiere irgendwann vielleicht wenigstens einigermaßen anständig gehalten und getötet werden.

vitavegetare: Vegetarier werden immer wieder mit den gleichen Sprüchen konfrontiert. Neueinsteigern fällt das kontern oftmals noch schwer. Haben Sie einen Tipp für solche Situationen?

Charlotte Karlinder: Ach, wenn die Leute einem dumm kommen, antworte ich darauf gar nichts, weil das Perlen vor die Säue wären. Es gibt einfach einen Haufen ignoranter und egozentrischer Menschen, die kapieren es nicht, da ist es verschwendete Energie. Ansonsten hilft immer der Satz, dass jeder doch tun sollte, was er für richtig erachtet. Oder eine Videokassette (gibt’s in vielen Läden zu kaufen) mit echtem Material aus Schlachthöfen und Pelztierfarmen schenken. Auf keinen Fall streiten oder auf ein ebenso dummes Niveau herablassen, das lohnt sich nicht.

vitavegetare: In unserem Forum diskutierten Mitglieder zum Thema „Besuch und Fleisch“. Wie sieht es bei Ihnen aus, bieten Sie Ihren Gästen ausschließlich vegetarisch an?

Charlotte Karlinder: Ja, ich koche eh selten und wenn, dann garantiert nix mit Fleisch. Ich finde, wenn fleischessende Freunde zu mir kommen, können sie an diesem einen Tag ruhig auf Fleisch verzichten! Ist aber auch kein Thema für meine Freunde, zumal viele eh kein oder wenig Fleisch essen. Und wenn es einer unbedingt haben will, wie zum Beispiel zum Raclette dazu, soll er es selbst mitbringen.

vitavegetare: Die Mehrzahl der User sprachen sich für ein Fleischverbot in den eigenen 4 Wänden aus, auch für fleischessende Gäste, welche dies oftmals nicht nachvollziehen können. Aber warum ist es bei einem vegetarischen Essen eigentlich so schwer, wenn es bei anderen Dingen, wie z.B. Rauchen eine Selbstverständlichkeit ist?

Charlotte Karlinder: Ich finde „Fleischverbot“ ein etwas zu hartes Wort, ich bin eh gegen so extreme Wörter, aber grundsätzlich ist es natürlich ähnlich wie mit dem Rauchen. Es gibt aber einen grundlegenden Unterschied, nämlich dass wenn jemand Fleisch isst, er keinem anderen damit schadet. Deswegen finden viele Menschen es vielleicht übertrieben, dass man kein Fleisch anbietet, aber ich glaube, wirklich gute Freunde würden einem das nie übel nehmen.

vitavegetare: Unsere Community für Vegetarier und Veganer www.vitavegetare.de ist seit gut einem Jahr online (1. Okt. 2004). Seither registrierten sich schon mehr als 500 Mitglieder. Viele sind dankbar für den Austausch mit Gleichgesinnten. Wie gefällt Ihnen diese neue Art der Vernetzung mit Hilfe persönlicher Profile und internem Mailingsystem?

Charlotte Karlinder: Finde ich super, weil viele gar nicht wissen, was es alles an Produkten gibt. Hätten mir nicht Leute gesagt, geh mal da hin und bestell XY weil dass super ist, hätte ich noch viel länger auf den trostlosen Labber-Tofu-Produkten rumgekaut. Und wenn man sich im Internet städteübergreifend darüber austauschen kann ist das natürlich perfekt.

vitavegetare: Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft? Sind weitere Aktionen und Projekte mit PETA geplant?

Charlotte Karlinder: Ja, PETA2, die Jugendorganisation von PETA und ich haben ganz viele Pläne. Während meiner Zeit beim SAT1-Frühstücksfernsehen kam das manchmal zu kurz, weil ich täglich live moderiert habe und sehr früh ins Bett musste, um gegen 04.00 Uhr aufzustehen- da war nicht mehr so viel Energie für andere Sachen. Aber ich habe in dieser Zeit immerhin für PETA eine monatliche Kolumne geschrieben (www.peta2.de), einen Werbespot für Vegetarismus zusammen mit den Donots und Kool Savas realisiert (www.peta2.de/spotlight/p183/charlotte.html), bin bei der Anti-Pelz-Modenschau von PETA mitgelaufen (www.peta.de), habe an einer Aktion gegen das Deutsche Pelzinstitut teilgenommen, die leider schief ging und mich fast meinen Job und die Freiheit gekostet hätte - und wir haben schon viele – friedliche - Aktionen geplant und werden jetzt wieder loslegen!

vitavegetare: Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für vitavegetare.de genommen haben. Für weitere Aktionen mit PETA wünschen wir Ihnen viel Erfolg!



Auf einen Blick – Charlotte Karlinder

Studium der "Angewandten Kulturwissenschaften"

TV
  • 2004/2005 Moderation Frühstücksfernsehen,
    täglich 07:00 - 09:00 Uhr, Sat.1
  • “Bis in die Spitzen”,
    Serie Sat.1, Rolle: Nadja

Für Tiere
Ein herzlicher Dank geht an die Agentur NSM, welche uns das Interview mit Charlotte Karlinder möglich gemacht hat.


Bildmaterial: mit freundlicher Genehmigung durch die Agentur NSM, Foto: Nela König
Text: © vitavegetare.de



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